Sound Klischees

Menschen lieben Stereotype. Besonders das Filmsounddesign scheint ein reiches Sammelbecken von akustischen Klischees darzustellen; so verfügen überdimensionale Tiere und bedrohliche Ungeheuer über schreckliche Brülllaute, Fahrräder klingeln und Autobremsen quietschen grundsätzlich.
Bemerkenswert ist jedoch, dass es ein einzelner Soundeffekt aus den 1950er Jahren – ein einfacher Schrei – geschafft hat, seither in über 140 Filmen aufzutauchen. Eine (unvollständige) Kompilation findet sich hier.

Kenner wissen, es geht um den sogenannten Wilhelmschrei (Wilhelm scream). Die erste Wiederverwendung des Sounds ist durch Ben Burtt, Sound Designer von George Lucas’ Star Wars belegt. Im Original mit dem Titel „Mann wird von Alligator gefressen“ bezeichnet, leitete er den heute gebräuchlichen Namen des Sounds vom Namen des sterbenden Nebencharakters Wilhelm im Film „Distant Drums“ aus dem Jahre 1951 ab.

Erstaunlich ist, wie leicht sich für den Zuschauer (und Hörer) eine Kongruenz von Bild und Ton erreichen läßt, der in jedem Falle den Schrei als dem filmischen Geschehen entspringendes Klangereignis zuordnen wird. Entsprechend scheint die Erwartungshaltung geprägt durch klangliche Klischees.

And Wilhelm screams on…

Verfasser: Andreas Pysiewicz

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