Parasitäre Popmusik? – Sampling vs. Urheberrecht

Ein aktuelles Urteil des BGH schränkt die Möglichkeiten eines freien musikalischen Samplings ein: Künftig sollen nicht nur Melodien urheberrechtlich geschützt sein, sondern auch Rhythmussequenzen

Die gestern, am 20. November 2008, gefällte Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe sieht vor, dass bereits mit der Entnahme “kleinster Tonfetzen” von einem fremden Tonträger in die Rechte des Tonträgerherstellers eingegriffen werde. Demnach sind bereits einige Takte und Rhythmussequenzen urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht (mehr) frei benutzt werden. Ausgangspunkt für diese Feststellung ist die Klage der Elektro-Dinosaurier Kraftwerk gegen die unerlaubte Verwendung eines Rhythmussamples ihres 1977 veröffentlichten Stücks “Metal auf Metal” in dem Titel “Nur mir” der Pop-Sängerin Sabrina Setlur von 1997.

«Sie haben die Beklagten auf Unterlassung, Feststellung ihrer Schadensersatzpflicht, Auskunftserteilung und Herausgabe der Tonträger zum Zwecke der Vernichtung in Anspruch genommen»,

so die Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs.

Scheinbar harte Zeiten für eine rekombinante Popmusik aus der das Sampling als freies künstlerisches Gestaltungsmerkmal nicht mehr wegzudenken ist. Nüchtern betrachtet war die Entleihung aus unterschiedlichen Genres seit jeher ein Merkmal der Popmusik und es stellt sich unweigerlich die Frage, ob dieses juristische Urteil der Eigenart von Popmusik als Ausdrucksform gerecht werden kann.
Der Grund der Auseinandersetzung wirkt jedoch evident:
Weil Popmusik eine der massenkompatiblen Kunstformen ist und gemeinhin mehr als Unterhaltung denn als Kunst betrachtet wird, geht es auch hier natürlich nicht zuletzt um Cash – Money for nothing and chicks for free…

Juristischer Mumpitz

Eine endgültige Entscheidung steht allderings noch aus: Vom Oberlandesgericht in Hamburg gilt es noch zu klären, ob das “Recht zur freien Benutzung” laut Paragraph 24 Abs. 1 des Urhebergesetzes möglicherweise massgeblich sein könnte. Demnach sei eine freie Benutzung bei genügend “großem Abstand” zum Original legitim. In dieser Grundsatzentscheidung sehen viele gar eine Erleichterung im Umgang mit Samplen (vgl. spiegel-online).

Verfasser: Andreas Pysiewicz

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