Klangarchitektur konkret – Talking ’bout Soundscape?

Ein Artikel auf Spiegel-Online vom 27.08.2007 thematisierte die Arbeit des Masterstudenten Yukio Van Maren King, der Wirkung von Klang, exemplarisch in der Großstadt Berlin, auf die Spur zu kommen. Mit Mikrofon und Aufnahmegerät bewaffnet schafft er digitale Abbilder der akustischen Umwelt, von denen man sich auf seiner Homepage www.berlincast.com einen Eindruck verschaffen kann. Über „Hörenswürdigkeiten“ und „einer Klangidentität der Stadt“ benennt er Parallelen zur visuellen Wahrnehmung und Bewertung eines Ortes. Sein Forschungsgegenstand, die Wahrnehmung des Menschen bezüglich seines täglichen akustischen Umfelds, klingt im ersten Moment innovativ und neuartig. Und in der Tat ist die akustische Umwelt ein stark vernachlässigter Aspekt, der zu Gunsten der visuellen Wahrnehmung in den Hintergrund tritt. Ein Grund mehr zur Freude, dass diese Thematik ein wenig in den Vordergrund eines etwas erweiterten öffentlichen Interesses tritt.

Beschäftigt man sich näher mit der Thematik, wird man jedoch feststellen, dass diese Art der Forschung den Kern der Klangökologie-(acoustic ecology)Bewegung bildet, die in Kanada der späten 60er Jahre ihren Ursprung findet. Mit dem World Soundscape Project, welches zu dieser Zeit als Forschungsgruppe an der Simon Fraser Universität in Vancouver von Prof. R. Murray Schafer initiiert wurde, begannen erste strukturierte Untersuchungen diverser Klanglandschaften, sowohl im urbanen Kontext, als auch auf Natur und Umweltgeräusche bezogen. Die Wechselwirkung von Klangraum und Mensch waren seit jeher das zentrale Interesse der Untersuchungen. Offensichtliche Aspekte wie Lärmbelästigung, sowie ein stetiger Wandel und eine Synthetisierungen der klingenden Umwelt führten zu pragmatischen Ansätzen im Umgang mit dem umgebenden Klangraum. Akustik Design als bewusste, nutzerzentrierte Gestaltung der akustischen Umgebung.
Jedoch ist die eigentliche Leistung dieser Bewegung wohl in der Sensibilisierung für Klanglandschaften sowie der Einführung in die strukturierte Diskussion über diese Thematik zu finden.

Soundprojekte wie „Vancouver Soundscape“ und „Soundscapes of Canada“ waren der Anfang, es folgten weltweit die verschiedensten Ansätze einer ähnlichen Annäherung an Soundscape Recording und Design. Besonders ein dokumentarisches Interesse dieser Soundscape Projekte konnte festegestellt werden, die meist vordergründig die Frage „Wie klingt ein bestimmter Ort?“ beantworten wollten. Sono(topo)graphie und Soundmapping sind in diesem Kontext passende Neologismen. Ein spannendes Sammelsurium an Soundmaps findet sich beispielsweise auf Soundmap of Cologne, welche dem Gedanken einer umfassenden globalen Klangkarte Rechnung tragen.
Dabei handelt es sich vermeintlich, wie oben schon angedeutet, um die bloße Darbietung von Momentaufnahmen, die oft nicht als repräsentativ für den auch vom Faktor der zeitlichen Veränderung abhängigen Höreindruck gelten können.
Ein gezieltes Collagieren und Hervorheben der Besonderheiten von Klangorten wird in Zukunft sicher zur Abgrenzung und besseren Identifizierung bestimmter Orte beitragen können.

Das seit Anfang der 1990er Jahre bestehende World Forum for Acoustic Ecology bietet als Forschungsnetzwerk einen guten Zugang zum Themengebiet der Klangökologie, welches auf dem Konzept des World Soundscape Project beruht und dessen Forschungsstand kontinuierlich erweitert.
Auch in Deutschland finden sich einige Quellen und Foren für die Forschungsarbeit auf dem Gebiet Klangökologie. Darüber hinaus existieren einige Publikationen, die sich mit dem Themengebiet Soundscape befassen. Klangökologie ist weiterhin Bestandteil einiger Studiengänge, neben den Sound Studies der UdK Berlin ist Soundscape Design auch im Curriculum der Hochschule Offenburg, unter der Leitung von Prof. Dr. HU Werner zu finden.

Andreas Pysiewicz
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Zum Autor:
Angehender Ingenieur für Medien, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit Sound und Soundscapes, so auch im Rahmen seiner momentanen Diplomarbeit bei der audio consulting group in Hamburg. Unter anderem führte er 2005 eine umfassende Soundscape Studie über die chilenische Stadt Valparaíso durch und erstellte aus dem gewonnenen Klangmaterial charakteristische Soundcollagen der Hafenstadt.

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