Japanische Klanglandschaften in der Präfektur Fukushima

In dem heutigen Artikel möchte ich von einem Soundscape-Projekt aus Japan bereichten, welches im Rahmen der World Soundscape Conference – The Global Composition, 25. – 28 Juli 2012, in Darmstadt Dieburg vorgestellt wurde. Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan, das die atomare Katastrophe in Fukushima ausgelöst hat, haben sich die Klanglandschaften in den betroffenen Gebieten dramatisch verändert. Keiko Torigoe, die Soundscape Association of Japan sowie der Klangforscher Koji Nagahata dokumentieren seit dem 11. März 2011 die japanischen Klanglandschaften in der Präfektur Fukushima.

Auf der folgenden Seite könnt ihr in die aufgezeichneten Klanglandschaften reinhören. Zu jedem dokumenierten Ort in Fukushima gibt es einen Text mit Informationen, welche akustischen Elemente den Ort vor der Katastrophe prägten. Es ist natürlich nicht verwunderlich, dass auf einem ehemaligen Spielplatz nun keine Kinder oder die Geräusche von Spielzeug, Klettergerüsten oder Karussells zu hören sind, aber das Faszinierende an diesem Projekt ist die Aufzeichnung der akustischen Wiederbelebung unterschiedlichester Orte über einen lang angelegten Zeitraum.

Menschen prägen ihre Umwelt nicht nur visuell sondern auch akustisch, geben einem Ort Atmosphäre und Bedeutung. Erst durch das Nichtvorhandensein erwarteter klanglicher Elemente, die eine bestimmte Landschaft prägen, wird uns bewusst, was wir im Alltag gewöhnlich überhören.

Eine weitere Fragestellung, mit der sich das Klangforschungsteam beschäftigt, ist, wie sich die Klangereignisse des verheerenden Tsunamis im Gedächtnis der betroffenen Menschen festgesetzt hat.

“How did the people in Sanriku hear the sound of the tsunami last year? This would be one of our important tasks for us from now on to do research on the ‘earwitness accounts’ of the tsunami on March 11.8″ (1)

Akustische Ereignisse schaffen (Klang-)Erinnerungen, die wir dann mit den jeweiligen Orten assozieren. Ich wünsche den Menschen von Fukushima und den Bewohnern der vom Tsunami heimgesuchten Küstenregionen viel Kraft, nicht nur die schrecklichen Erlebnisse sondern auch die damit assozierten Klänge zu verarbeiten.

Matthias

Quellen:
(1) Sabine Breitsameter/Claudia Söller-Eckert (Hrsg.): The Global Composition. Conference on Sound, Media, and the Environment. Proceedings, 2012.
http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=5986&key=standard_document_45530973
http://www.sss.fukushima-u.ac.jp/~nagahata/fsp_311/index-e.html
http://www.saj.gr.jp/en/en.html

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