Haribo macht die akustische Markenberatung froh…und die Tine ebenso!

Wie ihr in unserer kleinen Vorstellungsrunde schon lesen konntet, habe ich meine Bachelorarbeit zur „Bedeutung von ‚Musical Fit’ im Audio Branding“ geschrieben. Ein Kapitel daraus möchte ich euch nun etwas näher bringen und zwar die Analyse der Soundelemente von Haribo.

Leider konnte ich während meinen Recherchen trotz einer ordentlichen Dosis Gummibärchen nicht herausfinden, welche akustische Markenberatung hier vor über 50 Jahren für Haribo erstmals tätig wurde – höchstwahrscheinlich aber noch gar keine. Die Branche, die sich auf das Sound Branding wirklich spezialisiert hat, ist schließlich noch recht jung.

Angefangen hat alles im Jahr 1920 mit der Gründung der Süßwarenfabrik Haribo durch Hans Riegel in Bonn (aus seinem Namen und der Stadt entstand übrigens auch der Firmenname). Schon 1930 erfolgte der Vertrieb der Leckereien deutschlandweit, was Mitte der 1930er Jahre durch den Slogan „Haribo macht Kinder froh“ unterstützt wurde. Doch war dieser Slogan damals noch weit von dem heutigen, uns wohlbekannten Jingle entfernt. Auf dem Weg dorthin musste er nämlich Mitte der 1960er Jahre noch um den Halbsatz „und Erwachsene ebenso“ erweitert werden. Mit der Eroberung des Fernsehens als Werbemedium für die Marke im Jahr 1962 entstand nun endlich auch die Melodie zum Slogan – et voilà, die Urform des Haribo-Jingles war geboren!

Und doch war die Stilistik damals noch völlig anders. Wie sich auch die Musik jener Zeit deutlich von den heute aktuellen Songs unterscheidet, entschied man sich für eine in unseren Ohren wohl recht altertümlich klingende Version des Jingles: Der erste Teil „Haribo macht Kinder froh“ wurde einstimmig von Kindern gesungen. Der zweite Part „und Erwachsene ebenso“ hingegen war dann zweistimmig zu hören und zwar von einem Mann, der die Melodie übernahm, und einer Frau, die eine zweite Stimme dazu sang. Die beiden sollten wohl Eltern verkörpern, die ihre Kinder in deren Aussage unterstützen und somit Vertrauen in die Marke aufbauen. Denn was soll schon schlecht an einer Marke sein, wenn sie neben den Kindern gleichzeitig auch die Erwachsenen froh macht? Diese erste Version des Jingles wurde, wenn auch nicht in jedem Spot, bis in die 1980er verwendet. (Von diesem nicht stringenten Einsatz des Audio Logos würde heutzutage wohl allerdings jede akustische Markenberatung abraten!)

Um mal einen Eindruck von der ersten Version des Jingles zu bekommen, hier ein Werbespot von 1969:

Haribo Werbung von 1969

In den 1980ern fand dann die erste Modernisierung des Jingles statt. Neben der kompletten Einstimmigkeit des nun insgesamt sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen gesungenen Soundelements, wurde der Chor jetzt auch von elektronischen Instrumenten unterstützt. Dies hat sich bis heute kaum geändert, abgesehen von der rockigeren Begleitung und der Variation zwischen einem Kinderchor und einem Ensemble aus Kindern und Erwachsenen, welche heute beide zum Einsatz kommen.

Eigentlich kennt es jeder, aber hier noch mal ein relativ aktueller Spot:

Haribo – Thomas Gottschalks Wunsch

Doch stellt sich nun die Frage: Warum ist dieser Jingle so eingängig (und macht einen ganz wahnsinnig, wenn man ihn zwecks Recherche rauf und runter hört ;-))? Ganz einfach: Das Stichwort heißt Pentatonik. „Penta-was?!“ werden sich nun vielleicht einige fragen. Bevor ich jetzt anfange, euch eine komplizierte Definition runterzurattern, machen wir es kurz: Sicherlich kennt ihr Kinderlieder wie „Backe, backe Kuchen“ oder „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“. All diese Lieder, aber auch ein neckendes „Nää nä nä nää nää“, basieren auf einer Tonskala von nur fünf (daher penta-) Tönen (deswegen -tonik). Zur Erinnerung: Eine „normale“ Tonleiter hat sieben Töne pro Oktave. Und gerade weil einem eben diese Art von Musik aus der Kindheit so vertraut ist, geht auch der Haribo-Jingle direkt ins Ohr und ruft – wie auch in dem Spot von 1969 direkt zum Ausdruck kommt – Kindheitserinnerungen in uns wach.

Wenn ihr also eure nächsten Gummibärchen verputzt und dabei den Haribo-Jingle pfeift, wisst ihr jetzt, woher die Gedanken an eure Kindheit kommen: nämlich nicht nur vom Geschmack!

Viele Grüße
Tine

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