Aus Daten werden Klänge

Wissenschaftler machen Erdbeben von Fukushima hörbar.

Dem Georgia Institute of Technology ist es gelungen, die seismischen Daten des Erdbebens, welches sich am 11. März 2011 vor der japanischen Pazifikküste ereignet hat, in Klänge umzuwandeln. Tiere nehmen beispielsweise viel früher als wir Menschen feine Vibrationen der Erde wahr und sie haben zum Teil ein wesentlich besser ausgeprägtes Gehör. Das menschliche Hörorgan kann einen Frequenzbereich zwischen 20 und 20.000 Hertz wahrnehmen, alle tieferen Frequenzen (Infraschall) oder höhere (Ultraschall) können von uns nur mit Hilfe von Messungen nachgewiesen werden. Bevor wir das eigentliche Erdbeben hören und fühlen können, werden Frequenzen freigesetzt, die nur von Tieren wahrgenommen oder von Seismographen aufgezeichnet werden können. Diese eigentlich unhörbaren Frequenzen hat der Seismologe Zhigang Peng anhand der gesammelten seismischen Daten in Klänge umgewandelt. Mit Hilfe der Software Matlab werden die Daten der Seismographen ausgewertet und um ein Vielfaches schneller abgespielt, so dass die tiefen Frequenzen hörbar und als WAV-Audiodatei exportiert werden können, um so das Unhörbare, hörbar zu machen. Aus Daten werden Klänge.

Ziel dieser Methode ist es, voraussagen zu können, wie schlimm ein Erdbeben verlaufen wird und ob die Gefahr eines Tsunamis besteht. Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen noch viele Daten von unterschiedlichen Seismographen in Klänge umgewandelt werden, um gute Ergebnisse der Voraussage zu erzielen. Der Wissenschaftler Peng möchte sein Programm über das Internet zur Verfügung stellen, um möglichst viele seismische Informationen auswerten zu können. „Das Ergebnis verknappt ein Ereignis, das zwischen Minuten und Stunden gedauert hat, auf wenige Sekunden.“

Anbei ein kurzes Video von dem Programm, welches die Daten des Erdbebens hörbar machen kann.

Das akustische Feedback von generierten Daten ist ein spannendes Feld, welches auch den Bereich des Audio Branding berührt – nämlich das Sound Design. Ein mögliches Anwendungsgebiet ist die Verschleißüberwachung von stark beanspruchten mechanischen Teilen, beispielsweise im Kraftfahrzeug. Diese Klänge sollten funktional, aber auch ästhetisch gestaltet sein, sich in die gesamte Klanglandschaft des jeweiligen Fahrzeugs integrieren und eine direkte Auskunft über den Zustand der Teile liefern.

In meinem nächsten Beitrag wird es um die veränderten Klanglandschaften von Fukushima nach der Atomkatastrophe gehen. Dazu habe ich einen spannenden Vortrag auf der World Soundscape Conference 2012 in Darmstadt gehört. Bis dahin freue ich mich auf euer Feedback.

Viele Grüße
Matthias

Quellen:
Forscher machen Erdbeben hörbar – Zhigang Peng
Der Klang des Schreckens – Zhigang Peng

Weitere relevante Artikel:

  1. Symposion Akustische Konzeption: Funktionale Klänge
  2. Japanische Klanglandschaften in der Präfektur Fukushima
  3. Optimales akustisches Markendesign durch Frequenzstimulation
  4. World’s worst sound

Schreibe einen Kommentar