Akustische Verwirrung stiftet Citroen

Der neue Citroen-Spot überrascht, um es mal ganz wertfrei auszudrücken. So manch einer wird wohl etwas verstört vor seinem Fernseher sitzen und einfach nur den Kopf schütteln (besonders wohl unsere lieben Klassik-Freunde). Und das zumindest solange, bis man den Sinn verstanden hat… Akustische Verwirrung stiftet der neue Citroen DS5 Hybrid4. Er ist eben „Vollkommen. Anders.“…

Der Dirigent zückt seinen Taktstock, leise wird – wie in einer Geheimsprache – im Rhythmus gesprochen, vielleicht das energetische Vorzählen, bevor das Werk gleich erklingen wird? Die ersten Streicher des Sinfonieorchesters sind in Aktion zu sehen, doch was da erklingt, ist alles andere als ein satter Orchestersound: Es ist Marilyn Manson! Während der Dirigent sich die größte Mühe gibt, alles, aber wirklich alles aus seinem Orchester rauszuholen und die Streicher sich einen abfiedeln, die Querflöte ihr schönstes Solo abliefert, hört der Zuschauer wider Erwarten heftigste Rockmusik. Die reinste akustische Verwirrung…

Der Spot passt definitiv zur Werbeaussage: „Vollkommen. Anders.“ Doch was passiert in unseren Köpfen, wenn visuelle und akustische Informationen einfach nicht zusammen passen wollen? Wir werden ganz aufmerksam und wenn man uns die Chance lässt, denken wir darüber nach, versuchen zu verstehen und den Widerspruch zu lösen. Und Citroen liefert uns mit dem Claim „Vollkommen Anders.“ netterweise auch gleich die Auflösung. Doch dadurch, dass wir die entstandene Inkongruenz erfolgreich lösen konnten, erinnern wir uns in positiver Weise an unser Erfolgserlebnis und somit auch an die Marke und das Produkt. Clever, Citroen!

Doch eigentlich wollen wir im Sound Branding ja gerade den Fit erreichen. Die Musik soll passen. Passen, ja aber wozu eigentlich? Zum Bild? Natürlich zur Marke! Also stellt sich hier dann die Frage: Was passt zu Citroen? Ist es die klassische Musik, die wir erwarten zu hören, oder ist es doch eher Marilyn Mansons „Doll Dagga Buzz Buzz Ziggety Zag“, das wir hören? Wahrscheinlich keines von beidem zu 100 Prozent. Und trotzdem vermittelt die Musik zumindest in Kombination mit den Bildern Markenattribute: nämlich anders, kreativ und innovativ sein.

Viele Grüße
Tine



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