Akustische Umweltverschmutzung

Der Klangökologie kommt beim Audio Branding eine sehr hohe Bedeutung zu. Fälschlicher Weise wird akustische Markenführung immer noch automatisch mit einem Mehr an akustischen Reizen assoziiert. Die Stichwörter sind beispielsweise Dauerberieselung, Fahrstuhlmusik, Muzak und eben auch akustische Umweltverschmutzung.
Tatsächlich ist Acoustic Branding jedoch in erster Linie eine Strategieentwicklung zum gezielten und sinnvollen Einsatz von akustischen Reizen. Es geht hier also nicht um mehr Einsatz von Musik und Klang, sondern um den besseren Einsatz! Dies beinhaltet unter Umständen auch genaue Regelungen, wo und wann Musik und Klang nicht eingesetzt werden sollten. Auch die Pause – die Stille – ist ein besonders wichtiges Element der akustischen Markenführung.
Dass man sich gegen penetrante Dauerwerbung und die damit einhergehende und viel zitierte Reizüberflutung wehren kann, hat auf eindrucksvolle Weise São Paulos Bürgermeister Gilberto Kassab bewiesen. Mit dem Lei Cidade Limpa, dem Saubere-Stadt-Gesetzt, verbannte er in einer Blitzaktion sämtliche Außenwerbung aus der viertgrößten Stadt der Welt (11. Mio. Einwohner). Bis jetzt betrifft dies in erster Linie die visuellen Reize. Geht es jedoch nach Kassab, werden andere Reize folgen. Explizit nennt er auch sound pollution:

“The Clean City Law came from a necessity to combat pollution . . . pollution of water, sound, air, and the visual. We decided that we should start combating pollution with the most conspicuous sector – visual pollution.”

Für die akustische Markenführung ist dies zum einen eine Lehre, eine Herausforderung, ein Gebot, aber vor allem auch eine große Chance.
Das Kredo lautet: Qualität vor Quantität! Marketingkommunikation muss besser werden; sie muss einen Mehrwert bieten und darf auf keinen Fall lästig sein. Gerade letzteres ist heute leider noch die Regel.

Verfasser: Cornelius Ringe

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