Akustische Elemente als Entführer

Die Macht, den Rezipienten an einen völlig anderen Ort zu versetzen und damit Unsichtbares sichtbar zu machen, diese Macht besitzt wohl ganz besonderes der Klang… Sozusagen akustische Elemente als Entführer.

Eindrucksvoll nutzt dies der Sportartikelhersteller Adidas in seiner hauptsächlich akustischen „All Black Experience“-Kampagne, die in Zusammenarbeit mit der französischen Agentur Ubi Bene entstanden ist.

In Deutschland wahrscheinlich nicht allzu bekannt, dafür aber in Frankreich, wo die Spots im Kino liefen, umso beliebter, steht der aktuelle Rugby-Weltmeister Neuseeland mit seiner Mannschaft „All Blacks“ im Mittelpunkt des Geschehens. Während die Leinwand völlig schwarz bleibt (eben „All Black“), wird der Zuschauer, wenn man ihn denn so nennen darf, von akustischen Elementen entführt – direkt ins Stadion. Und zwar nicht als Fan auf die Tribüne, nein, man läuft gemeinsam mit dem neuseeländischen Rugby-Team auf das Spielfeld. Trommelschläge. Herzklopfen. Tosender Jubel der Fans. Schließlich wird, wie vor jedem Spiel der Kiwis, der maorische Kriegstanz „Haka“ aufgeführt. Anpfiff. Das brutale Spiel beginnt. Rennen. Schnaufen. Werfen. Punkten. Raufen. Endlich, der Schlusspfiff. Sieg! Erst jetzt erscheinen, begleitet von pulsierenden Trommelschlägen, das weiße „All Blacks“-Logo mit dem Zusatz „World Champions 1987|2011“ und anschließend auch das des Mannschaftsausstatters Adidas.

(Und jetzt Kopfhörer auf, richtig laut aufdrehen und sich entführen lassen! :-))

Auch wenn es sich bei dem hauptsächlich akustischen Spot um lediglich 90 Sekunden handelt, lässt einen der 5.1-Sound tief in die Welt der Spieler eintauchen. Klang berührt, weckt Emotionen. Da braucht es weder Wort noch Bild – vorausgesetzt man ist entsprechend sozialisiert. Denn ob die Deutschen mit dieser akustischen Entführung viel hätten anfangen können, ist fraglich. Schließlich ist hier Rugby längst nicht so beliebt wie bei unseren französischen Nachbarn und somit sind die von Adidas gesponsorten „All Blacks“ mit ihrem „Haka“ zur Einschüchterung des Gegners wohl eher unbekannt. Daraus lässt sich für das Sound Branding schließen: Will ich Klang in meine Werbung integrieren, muss ich sehr auf meine Zielgruppe achten. Das gilt natürlich auch besonders für die Musikauswahl. Beispiel: Jemand, der die 1960er bewusst miterlebt hat, verbindet die damalige Musik doch mit ganz anderen Emotionen und Bildern als ein heute vielleicht 20-Jähriger. Und so ruft der Adidas-Spot in Frankreich sicherlich schon ab den ersten Sekunden andere, schätzungsweise stark euphorische Gefühle hervor, während wir Deutschen wahrscheinlich noch darüber nachdenken würden, um welche Sportart es hier überhaupt geht… ;-)

Viele Grüße
Tine

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